Das ist schon komisch, oder? Geht es anderen nicht so? Geht es nur mir so? Egal, wo man politisch steht: Der Franz Josef, der war noch im Abgang groß, was wir natürlich Stoiber nicht als Versäumnis ankreiden, um Gottes Willen.
Aber dieses politische Abmeucheln lieben wir in Bayern einfach nicht, das
beraubt uns unserer monarchischen Sondergefühlslage, da sind wir nie mit der Zeit gegangen. Und dabei bleibt´s! Unsere katholische Sinnlichkeit lassen wir uns nicht nehmen! Ist es nicht so, die Abdankung qua morte ist die eines Landesfürsten würdigste. Das ist die große Geste, sie versöhnt uns mit uns und uns mit ihm. Wie genial hat uns das doch aus dem Streibl geholfen! Franz Josef starb mit zwei Portionen Ente und einem Schweinebraten im Ranzen. Und scho? Das ist eine klassische bayrische Grundausstattung und eine gute Grundlage, aus is! Schleichts eich, Ernährungsfeiglinge, Körnergschwerl, Hildegard von Bingen-Spanner! Tot umg´fallen ist er, auf der Jagd. Höchster Respekt! Das ist bayrisch-prächtig. „Momentamal“, sollen seine letzten Worte gewesen sein. Innerlich mag er gebellt haben: Sehr geehrter Herr Tod, sie-sie Hinterbänkler, sie Kanalratte, schaun´s dass weiterkommen! Eine runde, sinnliche Sache, stammwürzig. Der Abgang unseres derzeitigen Landesfürsten schmerzt dagegen. Stoiber, das blonde Fallbeil, der Einser-Jurist, man kann stehen zu ihm wie man will, er tut einem leid, es schmerzt auch den politisch Andersdenkenden. Das verzweifelte Strahlen beim betont wilden Tanzen auf dem Filmball war eine Tarantella der Niederlage. Das Ganze inmitten dieser Satin verschnürten deutschen Film-Dragoner-Mähren, speckig glänzenden Buttercremekleidern, provinziell in seinem Ami-Kopismus. Fleisch, ein Stück Lebenskraft. Diese Neobavarismen, Laptop und Lederhose, sie haften leider irgendwie dem Saubermann an. Warum Stoiber, hattest du denn keine Weibergeschichten? Hast du denn nicht gewusst, dass uns das Respekt einflößt? Unbestechlich und monogam, um Gottes willen, das kann in Bayern nicht gut gehen! Und was machen, wir, wenn das so weiter geht? Kimmt ja nix Bessers nach! Uns graut vor der blassen Kamarilla der lauernden Paladine, der Nachkommenschaft, diesen Gremlins mit den angeschliffenen Zähnen des Anständigen. Kleinhäuslerdiktion, Verwaltungsgrauschleier, Jägerzaun, Vereinswesen, Dancing in Obermenzing. Zurück zur Innenstadt! Schluss mit dem Buhlen um den Münchner randständigen Anstand. Zurück zum wahren Double des Offiziellen, zum wahren Leben: Ente mit Blaukraut ohne Mikrochip, Schlawinertum ohne Logos, Kultur ohne peinliche Hollywoodimitate. Kimm, a Bissel was geht doch immer, oder? Seehofer richt´s! Angefangen hast richtig für einen bayrischen Tribun!
Der Kaiser macht bestimmt den Taufpaten!