Passwort vergessen? 
23dusty38821:22 Morgen geht die Party los=) Bin neu in der Stadt!!!
Nookie210016:33 KOI ist echt cool!
ICHmonique11:50 hi, suche den netten typen, den ich am freitag im americanos kennengelernt hab.....
anna90maria21:43 kennt jemand ne party wo ich mit 15 rein komme ???
sonicboom197817:05 Mittwoch im Willenlos war richtig voll.... wahnsinnig...
carowue16:41 wer war denn mittwoch im willenlos?
sonicboom197823:12 18 Clubs 5 EUR ab 04.07.2008
Christian12117:24 Kommenden Freitag? Also HEUTE!?
sonicboom197821:06 Kommenden Freitag ist der Start! 18 Clubs für 5,- EUR ! ! ! !
Patricia2609:39 Wann ist das immer mit Freitag 5 Euro-18 Clubs? Hats da nen termin? grüßle
Du bist nicht eingeloggt.
Eraffe
       

K-Magazin - Solidarität, dieses knarrende Wort, es knarrte doch schon vor Erstarrung. Lohnfortzahlung, Wurmfortsatz, weiterführende Geschwulst.

Ausgabe April 2007

 

Ungerecht will ich sein und inkorrekt. Neulich habe ich einem Behinderten eine runter gehauen. Ansatzlos, sachlich, ohne jeden Affekt, vergleichbar dem Öffnen einer Schranktür, beispielsweise. Der Typ stand neben ein paar anderen kranken, übergewichtigen Kollegen in einem roten, abspritzbaren Plastik-Overall, eine Trillerpfeife steckte im Einstrudler, und rundherum lief Sekret aus.

Verdi stand auf dem Overall. Giuseppe Verdi?! Diesen Mann, diesen Genius mit solch ekelhaftem Trillern zu traktieren, das ging wirklich zu weit. Eine klare Frage der Ehre. Man verhaftete mich selbstverständlich auch sogleich. Der Abspritzbare war ja wie ein Profifußballer gleich theatralisch zusammengebrochen. Auf dem Revier wachte ich nach Verabreichung der ersten Stromstöße wieder auf. Ich war nämlich vor dem Computer eingeschlafen. Ich schrieb gerade an einer Arbeit über die Gewerkschaftsbewegung. Scheiß Thema. Solidarität, dieses knarrende Wort, es knarrte doch schon vor Erstarrung. Lohnfortzahlung, Wurmfortsatz, weiterführende Geschwulst. Das Aufrechte in der deutschen Sprache ist anscheinend im Rectum beheimatet, im Oasch dahoam: Lohnfortzahlung. Eine Sprache wie Kokain gefüllte Kondome in Blinddärme geschoben. Eine Wortgeschwulst. Da! Schon wieder beginnen Versalien, Typen, Kommata, Suffixe und andere Fetzen zu Nebeln zu verschwimmen. In der
Kontrastarmut des digitalen Flachschirmäugens brandet weiße Tiefe auf. Wabersturz droht! Die Gleichheit von Eins und Null, das Delirium von der Einheit der Gegensätze öffnet sich zu einem Stürzen in einen weißen, kontrastlos wallenden Horizont. Gehörausfall, Gleichgewichtsstörungen, Einschlafen in Umstülpungen. Das Hirn wird zu einem Wendemantel. Der kalte Wind am nackten Hirn ist widerlich. PC-Insuffizienz, Hyperventilation in der Enge des Flachbildschirms. Wo ist mein Handy? In meiner Panik suche ich die Nummer meines Avatars. Ich? Steuerberater, Anwalt, Vater, alles da. Aber der Avatar, der steht nie im Adressbuch, sagt die Stimme, die sonst die Haltestellen in den Trambahnen ansagt. Entsetzen breitet sich ringförmig in mir aus, als wäre ein Stein in meinen Seelen-Ozean geworfen worden. Die Schockwelle überwindet meine Außenhaut ohne jeden Widerstand, sie zieht, sie schlürft mich mit hinaus.  Natürlich steht meine eigene Nummer nie in meinem Adressbuch, schreie ich zerfließend hinaus ins Meer, als könnte
ich so meine feste Form wieder gewinnen. Der Avatar steht nie im Adressbuch, mein Freund. Er sagt es unglaublich genüsslich. Er spuckt die Triller-
pfeife aus und beißt ein Stück Kautabak ab. Seine Stirn flieht verflüssigt nach hinten, eine silberne Kontur fließt an seinem Körper herab, strafft seine
Brust und umspielt Kraft strotzend sich bildende Heuschreckenkeulen. Mit
einem unvergleichlich feuchten Geräusch entfaltet er duftende Schwingen aus perlmuttartigem schimmerndem Genitalorganza. Was für ein Duft! Kosmisches Ambra. Das Parfüm. Wie viele der schönsten Frauen mussten dafür wohl sterben? Wortlos hebt er mich auf und wir fliegen durch den Flachbildschirm über München. Beim Überfliegen der Ettstraße zucke ich, ich hatte wirklich genug von den Stromschlägen. „Fürchte dich nicht mein Avatar“, sagt mein Engel, „das hast du alles geträumt, Gewerkschaften gibt es schon lange nicht mehr.“ Wie ein eigensinniges Kind entgegnete ich: „Für Anfang April ist es aber viel zu kalt!“ Er antwortete: „Du meinst sicher März, die Kolumne, die du gerade schreibst, wird erst im April herauskommen!“ Ich schlug mir mehrfach mit der flachen Hand an die Stirn: “Freilich, ich schreibe die Kolumne ja gerade! Richtig, freilich! Gerade schreibe ich die Kolumne ja! Aber jetzt bin ich fertig und für März ist es entschieden zu kalt!“ Aber das kann Ihnen im April egal sein, draußen am PC.